Es hat mich immer schon verdrossen,
daß man mich nur die Kleine hieß,
viel Tränen hab ich schon vergossen,
daß Gott so klein mich bleiben ließ.

Doch nun hab ich mir Zeit genommen
und überdachte mir es recht,
da bin ich endlich drauf gekommen
es sei denn doch nicht gar so schlecht.

Ihr Leidensschwestern, die der Himmel
nicht hoch zu sich empor gestreckt,
die darum weil ihr im Gewimmel
nicht nanragt, mancher höhnt und neckt.

Bleib hübsch am Boden, sei bescheiden,
erhöhen soll euch das Gedicht.
Hört an wie es in Trost und Leiden
und um uns zu verteid'gen spricht.

Es sagt ein Wahrwort aller Zeiten,
das alles Kleine herzig ist,
da man die Liebenswürdigkeiten
ja niemals nach der Elle mißt.

Ein jeder Mensch wird gut geboren,
das Böse schleicht sich später ein,
da seid ihr Großen all verloren,
bei Kleinen ist der Platz zu klein.

Uns kümmern Wetter nicht und Stürme,
wir können immer ruhig sein,
der Blitz schlägt öfters in die Türme
als in die niedren Hütten ein.

 

Wir wissen besser zu gefallen,
wir schmiegen leichter uns ins Joch
und wenn wir Kleinen einmal fallen,
dann fallen wir gewiss nicht hoch.

Die undankbaren Männer klagen
'ne Frau sei eine Last sogar,
da wird ein jeder lieber tragen
die kleine Last, das ist doch klar.

Die Kleine macht nur kleine Schmerzen,
der Mann ist sicher vor Betrug,
denn in der Kleinen kleinsten Herzen
ist nur für Einen raum genug.

Bleib du nur Miniaturgeschöpfchen,
bist darum lieblich anzusehn.
Zwar ist es war, das kleine Töpfchen
gewiß viel leichter übergehn.

Das kommt daher, es sind die Flammen,
mehr teilen sich im großen Raum.
Bei uns im engen Raum beisammen,
da brennt's halt gleich zum Dach hinaus.

Und eines drängt mich noch zu sagen,
das soll auch nicht verschwiegen sein.
Ich will die Großen alle fragen:
Wen lud Gott selber zu sich ein?

Uns hat sein Sohn in Schutz genommen,
sprach nicht der Schöpfer allen Licht's:
"Die Kleinen lasset zu mir kommen!"
Doch von den Großen sprach er nichts.

Meine Oma Adi war eine sehr kleine Frau, nicht so ein abgebrochener Meter wie andere, aber doch ziemlich klein. Deshalb fand ich immer, daß dieses Gedicht immer schon zu ihr passte. Sie konnte es auswendig vortragen. Als Kind fand ich es immer herrlich, wie sie es in ihrem sudetendeutschen Dialekt aufsagte. Auch die Emotionen, welche nicht fehlten, beeindruckten mich zu tiefst.

Den Ursprung dieses Gedichtes kenne ich nicht. Auch im Internet konnte ich kein ähnliches Gedicht finden.